Herrnhuter Losung

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Geistliches Wort

     

            Andacht zum Monatsspruch Februar 2019

 

Ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll. (Römer 8,18)

Auf den ersten Blick wirkt dieser Vers wie eine Vertröstung auf das Jenseits: Ist doch egal, wie schwer dieses Leben ist, das Entscheidende kommt ja erst noch. Ist doch egal, ob es in dieser Welt Gerechtigkeit gibt, oder nicht. In der ewigen Herrlichkeit werden die Benachteiligten zu ihrem Recht kommen.

Der Gesamtzusammenhang aber lässt diesen Vers in einem anderen Licht erscheinen, denn im zentralen 8. Kapitel seines Briefes an die Gemeinde in Rom geht es Paulus um die unüberwindliche Liebe und Treue Gottes. Paulus will auf eine Kernaussage hinaus: Nichts, aber auch gar nicht, kann uns trennen von der Liebe Gottes (V.38+39). Und aus diesem Blickwinkel heraus gibt Paulus dem derzeitigen Leiden der Menschen eine andere Bedeutung.

Die ganze Schöpfung seufzt unter ihrer Vergänglichkeit. Aber sie fügt sich nicht in ihr Leiden. Sie erwartet stattdessen sehnsüchtig die Befreiung von Leid und Tod. Und Gott hat den Menschen seinen Geist gegeben, damit sie schon jetzt erkennen können, dass die Vollendung der Welt bereits angebrochen ist, so wie sich bei einer Geburt das neue Leben mit dem Einsetzen der Wehen ankündigt (V.19-23).

Für Paulus steht die Menschheit deshalb in einer Leidensgemeinschaft mit allen anderen Geschöpfen, weil die an Gott Glaubenden stellvertretend für die gesamte Schöpfung die Hoffnung nicht aufgeben sollen, dass sich am Ende die Liebe Gottes durchsetzt und die gesamte Kreatur von Tod und Leiden befreit wird. Und wenn bis dahin Geduld im Leiden notwendig ist, dann um dieser Hoffnung für die Welt willen (V.24-25). Die Kraft für diese Hoffnung aber gewinnt Paulus aus der Gewissheit, dass das Seufzen der Schöpfung bei Gott nicht belanglos ist, sondern Gehör findet, weil der Heilige Geist die Bitten der Verzagten vor Gott so zur Sprache bringt, dass sie erhört werden müssen (V.26-27).

Am Ende werden weder das Leiden noch der Tod das letzte Wort haben, sondern die Herrlichkeit der Liebe Gottes. Gottes Herrlichkeit als Ziel der gesamten Schöpfung wird nichts und niemand aufhalten können, weil Gott in seiner Treue am Ende alle Vergänglichkeit und alles Leiden überwinden wird (V.29-39).

Prof. Dr. Ralf Dziewas

Der Autor ist Prorektor der Theologischen Hochschule Elstal

 

 

                 Andacht zur Jahreslosung 2019

 

Suche Frieden und jage ihm nach. Psalm 34,15

Frieden ist nicht selbstverständlich. Wo Menschen in Frieden leben, da ist er stets bedroht. Die Ruhe des Friedens hat es schwer gegen den Lärm des Streites. Unfrieden oder gar Krieg können Menschen so unerträglich bedrohen, dass sie fliehen und alles zurücklassen müssen. Sie haben dann nur ein einziges Ziel: Das Leben in einem friedlichen Land unter Menschen, die ihnen mit Respekt und Gewaltfreiheit begegnen. Für die biblischen Texte ist Frieden dabei viel mehr als die menschliche Leistung zum guten Miteinander. Der Gedankengang des Psalmisten setzt mit einem viel grundsätzlicheren Aufruf ein (V. 12): „Kommt her, ihr Kinder, höret mir zu! Ich will euch die Furcht des Herrn lehren.“ Alles beginnt damit, Gott als Herrn anzuerkennen. Wie in den Zehn Geboten liegt das Fundament für die folgenden Anweisungen gleich am Anfang: „Ich bin der Herr, dein Gott.“ Alles Weitere folgt daraus.

Im Alten Testament steht der hebräische Begriff Schalom zunächst einmal für die Unversehrtheit von Menschen. Der Gegensatz zu allen Leib und Leben bedrohenden Gewalttaten tritt deutlich hervor. Zugleich geht es dabei um gute zwischenmenschliche Beziehungen. Der so verstandene Schalom ist nicht ein Werk von Menschen, sondern eine Gabe Gottes. Dies kommt im Psalmvers sehr schön zum Ausdruck. Denn hier steht nicht: „Schaffe Frieden und bewahre ihn“, sondern es geht darum, den Schalom als Geschenk Gottes zu suchen und ihm nachzujagen. Im Gegenzug können wir Menschen einander den Frieden Gottes wünschen, wie es etwa mit Schalom als Grußformel oder im Segen „Friede sei mit dir“ zum Ausdruck kommt. Der Schalom Gottes als Zeit und Raum von Heil und Frieden verweist auf die Zukunft, in der auch der Psalmist das vollständige Friedensreich Gottes erwartet, das die Menschheit mitsamt Tier- und Pflanzenwelt umfassen wird. Die Suche und die Jagd nach Gottes Frieden setzen sich im Neuen Testament fort. So schreibt der Apostel Paulus: „So lasst uns nun dem nachstreben, was zum Frieden dient und zur Erbauung untereinander“ (Röm 14,19). Auch für Paulus geht es dabei nicht nur um ein „seid nett zueinander“. Das wäre viel zu klein gedacht. Sondern die Suche nach Frieden ist letztlich die Suche nach Gott selbst. Der Herr selbst ist „der Gott der Liebe und des Friedens“ (2Kor 13,11). Jesus Christus kommt als Liebe und Frieden in diese Welt (Lk 2,14). In ihm hat Gott sich am Kreuz mit uns versöhnt. Indem Christen und Christinnen davon weitersagen, heißen sie Gottes Reich schon in dieser Welt willkommen. Sie laden andere in den Friedensraum Gottes ein und werden als Friedensstifter selbst Kinder Gottes genannt (Mt 5,9). „Suche Frieden und jage ihm nach,“ – das ist mehr als ein guter Vorsatz für das neue Jahr, sondern die Ausrichtung des ganzen Lebens von Gott her und auf Gott hin.

Prof. Dr. Carsten Claußen

Theologische Hochschule Elstal

 

(Quelle: Oncken-Newsletter "Neues aus der baptistischen Welt")