Herrnhuter Losung

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Gemeindeleben

Missionsgottesdienst mit Christoph Haus

Einen lehr- und abwechslungsreichen Missionsgottesdienst, unterstützt von Liedern des Männerchors, erlebte unsere Gemeinde am 15.6.14 mit Christoph Haus, dem Generalsekretär der Europäischen Baptistischen Mission (EBM). Wie andere, die in Entwicklungsländern gelebt und gearbeitet haben, strahlt er Gelassenheit aus und versteht es zugleich, unsere Gewohnheiten mit anderen Denkweisen zu konfrontieren. So erzählte er, dass Gottesdienste in Afrika nicht unbedingt zur vorgesehenen Zeit beginnen, sondern wenn genügend Teilnehmer eingetroffen sind, und dass sie nach 2-3 Stunden Dauer auch nicht pünktlich enden. Und manche christliche Gemeinden tun es in Indien anderen Religionen gleich, indem sie die Nachbarn über Lautsprecher an ihrem Gottesdienst teilhaben lassen…

 

Nachdem Anne Napiwotzki vom Gottesdienst-Team ihn zu seinem Werdegang vom Bankkaufmann zum Pastor, Missionar und schließlich Leiter der EBM sowie zu seiner reiseintensiven Tätigkeit und deren Vereinbarkeit mit dem Familienleben interviewt hatte, forderte Christoph Haus die Gemeinde auf, einem eindrucksvollen Chortreffen in Kamerun nachzueifern und „Gott ist die Liebe“ in Deutsch, Douala und Foulfoulde zu singen. Was die Gemeinde nach Kräften tat. Den anwesenden Kindern vermittelte er einen greifbaren Eindruck seiner Arbeit, indem er sie nach vorne rief und mit geschlossenen Augen Gegenstände ertasten und erraten ließ, die sie dann mitnehmen durften – Baumwolle aus Indien, Hirse und Kokosgeld aus Afrika sowie Erdnüsse aus Amerika. Die Trennung vom Kokosgeld fiel leicht – „das macht ein Schnitzer wieder neu“.

Ausgehend von Apg. 2, 44 ff., wo beschrieben wird, wie alle Mitglieder der Urgemeinde ihr Leben und ihren Besitz miteinander teilten, veranschaulichte Christoph Haus in Bildern einige aktuelle Missionsprojekte wie die Jugend- und Gemeindegründungsarbeit von Daniel Gonzalez auf Kuba, die Unterstützung von Krankenhäusern sowie der Pastorenausbildung in Kamerun und die Speisung von Straßenkindern und Vergabe von Kleinkrediten an arme Bauern in Indien. Er warf aber auch einen Blick auf die anfangs von kolonialem Hochmut überschattete Geschichte der EBM. Sie begann 1887 während der deutschen Kolonialzeit, als der Sohn des Königs der Douala von Kamerun, Alfred Manga Bell, zur Ausbildung nach Berlin geschickt wurde, dort verwahrloste und in die Obhut des Predigers Eduard Scheve gegeben wurde. Die vielversprechende Missionsarbeit, die aus diesem Kontakt erwuchs, endete 1914 mit der Hinrichtung des Bruders Rudolph Manga Bell, der sich gegen die Vertreibung der Douala aus ihrem Stammesgebiet durch die Kolonialverwaltung gewehrt hatte, und mit dem Beginn des 1. Weltkrieges. Erst 1954 konnte die deutsche Mission unter dem Dach der EBM als gemeinsamer Organisation von schweizerischen, französischen und deutschen Baptisten wieder aufgenommen werden. Zur EBM gehört inzwischen auch die MASA (Missionarische Aktionen in Südamerika) und die Hans-Herter-Indienhilfe (www.ebm-masa.org).

In seiner Predigt über Psalm 146, der Gott als Helfer der Hungrigen, Kranken und Unterdrückten preist, beleuchtete Christoph Haus das Wirken der EBM aus einer anderen Perspektive. Der Blick des Psalmbeters richtet sich auf einen, wie es aussieht, parteiischen Gott, der in seiner Allmacht in einem fernen Thronsaal zu sitzen scheint und durch die Fenster dieses Saals besonders die Niedergeschlagenen unter den Menschen im Auge hat. Auch Jesus betont, dass Gottes neues Reich bei den Sündern und Kranken beginnt – die Gerechten und die Gesunden brauchen keinen Arzt (Mk. 2, 17). Indem der Beter erkennt, dass er selbst auf der Seite der Hilfsbedürftigen steht und nur von diesem parteiischen Gott Hilfe erwarten kann, verändert sich seine Lage, und er wird zum Lobpreis beflügelt. Dieses Beten zu vermitteln und die Niedergeschlagenen aufzurichten ist der Inhalt der missionarischen Bemühungen der EBM.

Für die EBM war auch die Kollekte dieses Sonntags bestimmt. Dem Kassierer gab Christoph Haus augenzwinkernd noch mit auf den Weg, wie man in Afrika verfährt: die Gottesdienstbesucher bringen ihre Gaben nach vorn zu den Einsammlern, diese zählen die Kollekte an Ort und Stelle, und wenn die Zielsumme verfehlt wurde, rufen sie die Sitzblöcke auf, erneut nach vorn zu kommen und nachzulegen…