Herrnhuter Losung

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Gemeindeleben

Konzert mit Jörg Swoboda

Am 26.05.2000 findet in unserer Gemeinde ein Konzert mit dem Pastor und Liedermacher Jörg Swoboda statt, der auch im Herbst als Referent zu einer Gästewoche eingeladen ist. Jörg Swoboda ist gebürtiger Berliner, 53 Jahre jung und seit 1971 Pastor im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden. Vielen ist er bekannt durch seine Reisetätigkeit, seine Musik und auch durch seine Bücher. Wir haben nachgefragt und wollten Jörg Swoboda etwas näher kennenlernen:
Du bist hauptamtlicher Evangelist des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden. Entsprechend viel bist du unterwegs. Hast du keine Familie? Wie lebt man als Dauer-Reisender?

Ich habe sogar eine überdurchschnittlich große Familie.Ich bin seit 26 Jahren mit Inge verheiratet. Wir haben vier Kinder, nämlich Maria (25), Martin (22), Frauke (20) und Florian (15). Die drei Älteren wohnen in Berlin. Du schneidest natürlich ein Problem an, das alle Dienstreisenden kennen: Wie bekommt man Familie und Arbeit unter einen Hut? Aber immerhin bin ich zwei Drittel des Jahres zu Hause. Wenn man es anders herum sieht, bin ich jeden dritten Tag weg. Das ist natürlich viel. 1993 habe ich mein kommunalpolitisches Amt und den Dienst als Gemeindeleiter aufgegeben, damit ich auch wirklich zu Hause bin, wenn ich nach Hause komme. Jetzt braucht meine Frau bloß zu sagen: “Laß uns spazieren gehen!” Dann antworte ich: “Moment, ich mach bloß den Computer aus.” Und dann gehen wir los. Auf andere wirkt das dann so, als hätten wir Urlaub. Aber ich will nichts schönreden. Meine Frau bleibt durch meine Reiserei mit manchem Problem trotz der täglichen Telefonate allein. Wenn sie dazu kein Ja hätte, könnte ich meine Arbeit so nicht tun.

In der Vergangenheit bist Du oft mit Theo Lehmann unterwegs gewesen. Er hat gepredigt, du hast die Musik beigesteuert und zur Entscheidung für Jesus aufgerufen. Hat Theo den Evangelisten in Dir geweckt?

Es ist beinahe umgekehrt. Als er das erste Mal zu einer Evangelisation eingeladen wurde, das war 1975 nach Görlitz, hatte ich schon 10 Jahre Evangelisationspraxis hinter mir. Damals nahm er die Einladung an, aber nur unter der Bedingung, daß ich mitkomme. Ich sagte zu, und seitdem haben wir nicht nur viele Lieder gemeinsam geschrieben, sondern auch zusammen evangelisiert. Weil das in der DDR oft spektakuläre Jugendwochen waren, standen wir nicht nur häufig bei der Stasi auf der Tagesordnung, sondern “Jörg und Theo” waren wie ein Markenzeichen, das sehr viele anzog.

Wer hat Dich in musikalischer Hinsicht inspiriert? Gibt es ein musikalisches Vorbild für Jörg Swoboda?

Eines nicht - viele. Die Selbstverständlichkeit, mit der Gitarre vorm Bauch vorn zu stehen, habe ich mir im Gitarrenchor meiner Heimatgemeinde neben Tante und Kusinen angewöhnt. Die Fähigkeit, während die Gitarre weiterspielt oder zwischen den Liedern mit dem Publikum zu sprechen, habe ich von dem amerikanischen Barden Pete Seeger abgeguckt und in der offenen Jugendarbeit in Ostberlin trainiert. Und so könnte ich fortsetzen.

Du wohnst in Buckow bei Berlin, dem früheren Standort des Theologischen Seminars unseres Bundes in der DDR. Was verbindet Dich mit diesem Ort?

An diesem Seminar war ich zehn Jahre lang Dozent für Griechisch und Kirchengeschichte, in den letzten Jahren auch Direktor. Bis 1991 haben wir hier in einem vierjährigen Studiengang nicht nur Pastoren unseren Bund und die Freien Evangelischen Gemeinden in der DDR ausgebildet, sondern auch für Baptistenbünde in Tschechien, Mosambik, Ungarn, Estland, die Ukraine und Rußland. Wenn ich daran denke, daß die führenden Brüder in Estland über unser Seminar gelaufen sind und heute noch als Gastdozenten an die Hallenser Uni eingeladen werden, wenn ich dem Direktor des Theologischen Seminars in Moskau begegne, der auch bei uns studiert hat, dann bin ich dankbar, daß das Buckower Seminar mit den langjährigen Dozenten Adolf Pohl, Klaus Fuhrmann und Christian Wolf DD eine Segensspur in der Welt hinterlassen hat. Wir zogen also aus dienstlichen Gründen von Berlin nach Buckow und wohnen gern hier. Immerhin gilt diese kleine, seenreiche Stadt in der Nähe der polnischen Grenze als “Perle der Märkischen Schweiz”, mitten im gleichnamigen Naturpark im Osten Berlins gelegen.

Wer dich kennt, weiß, dass du nicht nur predigst und singst, sondern auch schreibst. Nach der Wende erschien dein Buch

"Revolution der Kerzen", das Vorgeschichte und Verlauf der friedlichen Wende durch Zeitzeugenberichte beschreibt. Es ist ja 1996 auch in den USA erschienen. Wie siehst du den Fortgang dieser "Revolution" heute?

Die Revolution ist vollzogen. Einen Fortgang kann ich nicht erkennen. Die Kräfte, die im Osten die Wende bewirkt haben, hatten ohne Zweifel eine wichtige historische Funktion. Was damals gelungen ist und daß es dann so schnell geschah, hat alle überrascht. Das war wirklich ein Wunder, für das wir Gott nicht genug danken können. Daß wir nach der Wende mit dem Anschluß an die Bundesrepublik nicht den Himmel auf Erden haben werden, war den Nachdenklichen von vornherein klar. Erstaunt bin ich immer wieder über das hohe Maß der Anpassung von Christen in den alten Bundesländern trotz Demokratie - und wie schnell die Menschen allgemein durch pompöse Worte zu beeindrucken sind. Ich kenne nur wenige Christen mit Zivilcourage, die öffentlich wie in “Des Kaisers neue Kleider” zu sagen wagen: “Aber er hat ja gar nichts an!” Mir scheint, als ob wir wenigen aufmüpfigen Ostler manchmal in die erste Reihe gelobt werden, damit wir den Mund aufmachen und die Prügel einstecken. Ich habe mir vorgenommen, wenn ich schon zu DDR-Zeiten nicht geschwiegen habe, heute in der Demokratie erst recht zu reden. In diesem Sinn will ich weiter “Revolution” machen.

 

Heute bist Du Evangelist, also ein besonders berufener Verkündiger der biblischen Frohbotschaft. Wie hat Gott Dich erreicht?

Ich bin in einer Ostberliner Baptistengemeinde (Friedrichshagen) aufgewachsen und hatte das Vorrecht, heitere und entschlossene Christen als Vorbilder zu haben, Menschen, bei denen ich Liebe erfahren und die glücklichsten Stunden meiner ersten beiden Lebensjahrzehnte erlebt habe. Das war eine wichtige Voraussetzung für meine Bekehrung. Vor der habe ich mich lange Zeit gedrückt, weil ich Angst vor den Konsequenzen hatte. Aber dann hat mir die Dirigentin des Chores die Frage gestellt, die mein Leben verändert hat: “Jörg, was hält dich eigentlich davon ab, mit Jesus ganze Sache zu machen?” Da wurde die Liebe Gottes stärker als meine Angst, und ich habe mich bekehrt. Das war der erste entscheidende von vielen Schritten auf dem Weg mit Gott.

Was wünschst Du Dir für die Gästewoche im November in Wermelskirchen?

Solch eine Gästewoche verfolgt ein Hauptziel und eine Reihe von Nebenzielen. Das Hauptziel ist, daß der Glaube an den Heilmacher Jesus Christus geweckt wird, daß Menschen ihre Rebellion gegen Gott aufgeben und ein neues Leben unter seiner Regie beginnen. Darüber hinaus beten wir darum, daß Christen wieder durchstarten und einen Neuanfang im Glauben wagen, daß Taufentscheidungen fallen, daß zerstrittene Christen wieder zueinander finden und daß durch die Teilnahme von Christen aus anderen Kirchen die kirchenübergreifende Gemeinschaft der Kinder Gottes gestärkt wird. Daß dies alles im Rahmen einer warmherzigen Begegnung mit vielen Gesprächen geschieht, ist mein Wunsch für die gemeinsame Gästewoche.

Vielen Dank für das "Gespräch”!

Das Gespräch führte Christopher Rinke